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Hephaesnus
Praktische Leitfäden12 Min. Lesezeit26. März 2026

Was ist ein Brandschutzmittel und wie funktioniert es?

Die wissenschaftlichen Grundlagen, wie Brandschutzmittel Entzündungen verzögern, ein Vergleich der vier Haupttypen und warum umweltfreundliche thermo-responsive Gele die sicherste Wahl sind.

Henrique Bastos

Henrique Bastos

CTO, PhD Chemical Engineering

Thermo-responsives Brandschutzgel auf einer Oberfläche aufgetragen

Wenn ein Feuer ausbricht, zählt jede Sekunde. Brandschutzmittel (Retardants) spielen eine entscheidende Rolle bei der Verzögerung der Entzündung und der Eindämmung der Flammenausbreitung. Doch wie funktionieren sie physikalisch und chemisch?

Die Funktionsweise von Brandschutzmitteln

Brandschutzmittel greifen auf unterschiedliche Weise in den Verbrennungsprozess ein, um die Kettenreaktion des Feuers zu unterbrechen:

  • Endotherme Reaktion: Das Mittel setzt unter Hitzeeinfluss Wasser frei. Dieser Prozess kühlt die Oberfläche des Materials ab und verzögert das Erreichen der Pyrolysetemperatur.
  • Sauerstoffbarriere (Verkohlung): Einige Wirkstoffe katalysieren die Bildung einer stabilen Kohlenstoffschicht (Verkohlung) auf der Oberfläche des Materials. Diese Schicht schneidet die Sauerstoffzufuhr ab und verhindert den Austritt brennbarer Gase.
  • Chemische Kettenunterbrechung: Halogenierte Retardants fangen freie Radikale in den Flammen ab, um die Verbrennungsreaktion gasförmig zu stoppen. Aufgrund ihrer hohen Toxizität und Persistenz (z.B. PFAS) werden sie jedoch zunehmend verboten.

Die vier Haupttypen im Vergleich

1. Ammoniumphosphat-Retardants (Klassisch)

Häufig im Forstbereich eingesetzt. Sie fördern die Verkohlung, sind jedoch sauer, korrosiv und führen zur Überdüngung (Eutrophierung) von Gewässern, was zu Fischsterben führt.

2. Halogenierte Brandschutzmittel

Sehr wirksam, aber extrem giftig für Mensch und Umwelt. Viele Wirkstoffe dieser Gruppe sind persistent und reichern sich in der Nahrungskette an.

3. Intumeszierende Beschichtungen

Schäumen bei Hitze stark auf und bilden eine dicke Isolationsschicht. Sie eignen sich gut für den industriellen Stahlbau, sind jedoch oft teuer und für den Hausgebrauch unpraktisch.

4. Thermo-responsive Gele (Sallus Retardant)

Die modernste und sicherste Alternative. Basierend auf wasserlöslichen Mineralien und natürlichen Inhaltsstoffen, verbleiben diese Gele unsichtbar auf der Oberfläche. Bei Hitzeeinfluss expandieren sie sofort zu einer feuerfesten Schutzbarriere. Sie sind zu 100 % biologisch abbaubar (OECD-geprüft), ungiftig für Mensch und Tier und frei von PFAS oder VOCs.

Fazit

Für den präventiven Schutz von Wohnhäusern, Zäunen und der umliegenden Vegetation bieten thermo-responsive Gele den optimalen Kompromiss aus erstklassiger Brandschutzwirkung und maximaler Umweltverträglichkeit.

Artikel geprüft von Henrique Bastos, CTO von Hephaesnus und PhD in Chemieingenieurwesen.